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Véritable 2015

Wie schön ist "Deutschlands schönste Weinmesse" wirklich?

– Allgemein

77 der renommiertesten internationalen Weinerzeuger kommen in der Pfalz zusammen, um ihre besten Weine in idyllischer Atmosphäre zu präsentieren. Klingt wie das Paradies für jeden Weinliebhaber, heißt aber Véritable und ist laut Presse „Deutschlands schönste Weinmesse“. Dieser vielversprechenden Aussage wollte ich auf den Grund gehen und so habe ich mich am Montag selbst auf den Weg nach St. Martin gemacht.

Urlaubsgefühle in der Pfalz
Urlaubsgefühle in der Pfalz

Rund 10 Kilometer von Neustadt entfernt liegt das beschauliche Städtchen eingebettet inmitten der Weinberge. Genauso romantisch verträumt zeigt sich auch der Aloisiushof selbst. Das Weingut ist Mitveranstalter und stellt den entsprechenden Platz zur Verfügung. Eine verwinkelte Architektur, dickes altes Gemäuer gepaart mit geschickt platzierten modernen Elementen zeichnen diese Location aus. Zum fünften Mal bereits öffnen sich hier die Türen für fast 600 Interessierte aus Handel, Gastronomie und Presse. 

Nach den Rekordtemperaturen am Wochenende, hat dieser Montag schon fast etwas Erfrischendes. Zwar zeigt das Thermometer immer noch 30 Grad an, aber wir befinden uns ja schließlich in der Pfalz, der sogenannten „Toskana Deutschlands“. Und die macht ihrem Namen alle Ehre: Zwischen mediterranen Gewächsen, der Sonne und der Liebe zu gutem Essen und Wein, werden hier tatsächlich Urlaubsgefühle wach. Es weht ein angenehmer Wind und die Außenbereiche des Weinguts sind mit Reben überdacht, die Schatten spenden, sodass gute Bedingungen für das Probieren herrschen.

Liebevoll dekoriert - der Aloisiushof
Liebevoll dekoriert – der Aloisiushof

Internationales Spitzentreffen

Doch direkt zu Beginn stehe ich vor dem ersten Problem, während ich staunend die Ausstellerliste betrachte: Die Liste gleicht einer Aufzählung der internationalen Branchenspitze. Wo soll man da nur anfangen? Zum Glück ist unser Weinexperte Carsten auch vor Ort und so lasse ich mich von ihm zur Champagner-Bar führen, wo wir mit Bellavista einen vielversprechenden Start geboten bekommen, bevor wir die anderen Verkostungszonen mit kreativen Namen wie „Boulevard-Hof“ oder „Birnbaumzimmer“ erkunden.

Genuss im Grünen: Der Boulevard-Hof
Genuss im Grünen: Der Boulevard-Hof

Die Qualität der angebotenen Weine lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Spitzenklasse! Dabei werden nicht nur die aktuellen Jahrgänge präsentiert. So mancher Winzer hat auch ein ganz erlesenes Tröpfchen mitgebracht, wie beispielsweise einen gereiften Weißburgunder von 2002 aus dem Weingut Bergdolt oder einen Sauvignon Blanc aus dem Barriquefass, den uns das Weingut Hensel präsentiert. Im Gewölbekeller suche ich ein wenig Abkühlung und lerne mit den Weinen von Trimbach eine ganz andere Spielart des Rieslings kennen, was für mich, als Rheingauerin, ganz besonders interessant ist. Heimatgefühle kommen bei einem Glas Hochheimer Hölle GG vom Weingut Künstler auf, während mich der Barbaresco von Gaja vom „Dolce Vita“ träumen lässt.

Solche Schätze entdecken wir über den Tag verteilt an einigen Ständen, was gewiss darauf zurückzuführen ist, dass sich überdurchschnittlich viele Winzer persönlich präsentieren. Schon ein aufregendes Gefühl neben Dirk van der Niepoort, einem der erfolgreichsten Winzer Portugals, zu stehen und dessen Weine zu verkosten! Die hohe Präsenz der Winzer selbst, liegt sicherlich an den hervorragenden Kontakten der beiden Veranstalter Philip Kiefer und Uwe Warnecke.

Viele Kontakte, die hat auch unser Carsten, und so verkoste ich an diesem Tag nicht nur viele Top-Weine, sondern lerne auch viele Winzer mit deren Philosophie persönlich kennen. Leidenschaft und ein unermüdliches Qualitätsstreben sind Attribute, die sich durchgängig heraushören lassen und die Erfolgsgaranten der anwesenden Weingüter zu sein scheinen. Den persönlichen Kontakt weiß wohl auch die deutsche Weinprinzessin Kathrin Schnitzius zu schätzen, indem sie den Wein in ihrer Eröffnungsrede als „schönstes Kommunikationsmittel der Welt“ betitelt.

Organisation auf höchstem Niveau

Doch es sind nicht nur die Winzer und deren Weine, die diese Weinmesse so außergewöhnlich machen. Vom ersten Moment an fühle ich mich willkommen und umsorgt auf dem Weingut. Es steht stets genug Wasser zur Verfügung, die Ausgussbehälter sind in ausreichender Zahl vorhanden und für das leibliche Wohl wird durch zahlreiches Personal mit leckerem Fingerfood – mein Highlight waren ganz klar die Weißwurst-Bällchen gefüllt mit süßem Senf – zwischendurch gesorgt.

Mit Sinn für Details ist der Aloisiushof durch Werbematerial sowie floraler Dekoration zu einem Messeort mit authentischem Flair verwandelt worden. Dazu tragen ebenfalls Möbel aus alten Barriquefässern sowie unikate Thekenteile aus Birnbaumholz bei. Für Besucher und Aussteller blieben keine Wünsche offen, was allein der hervorragenden Organisation (inklusive Sponsoren) zu verdanken sei, und woran sich andere Veranstalter ein Beispiel nehmen könnten, wie mir die Winzer bestätigen. So scheint es nicht verwunderlich, dass sowohl die Zahl der Aussteller als auch der Besucher von Jahr zu Jahr steigt.

Frisch Gegrilltes und kühles Bier gab es zum Abschluss
Frisch Gegrilltes und kühles Bier gab es zum Abschluss

Für mich als Besucher hat der Service bereits mit dem klimatisierten Shuttleservice begonnen, der vom Sammelparkplatz direkt zum Weingut fährt, und endet bei der abschließenden Verköstigung mit frisch gegrilltem Fleisch. Sogar ein gekühltes Feierabend-Bier steht beim gemeinsamen Ausklang der Veranstaltung zur Verfügung, welches viele der Besucher vor dem Aufbrechen gerne annehmen.

Mein Fazit

Und auch ich mache mich auf den Weg nach Hause. Während der Fahrt durch die Pfälzer Weinberge, die von der untergehenden Abendsonne majestätisch beleuchtet werden, denke ich noch einmal an die vergangenen Stunden zurück und mir wird bewusst, dass die Véritable ihren Titel als „schönste Weinmesse“ wirklich verdient hat.

Es ist das Zusammentreffen der qualitativen Superlative des Weinbaus in Kombination mit einem familiären Flair und der liebevollen Ausgestaltung bis ins kleinste Detail, was dieser Veranstaltung ihren ganz besonderen Charme verleiht. Mit dem Eintritt in den Aloisiushof werden die Sorgen an der Kasse abgegeben und es kann sich dem ungestörten Weingenuss hingegeben werden. Das erinnert mich an folgende Zeilen, die mir der allseits bekannte Wein- und Gastronomieberater, Harry Hochheimer, auf der Messe mitgegeben hat: „Magnum, das ist die richtige Flaschengröße – wenn man zu zweit ist und einer nichts trinkt!“. Schmunzelnd drehe ich die Musik lauter und fahre Richtung Heimat…

 

Kleiner Tipp: Da die Messe ausschließlich für Fachpersonal zugänglich ist, bleibt dem privaten Weintrinker wohl nur eine Umschulung oder der entspannte Weingenuss zu Hause. Vicampo ist stolz darauf, Weine von über 40 der teilnehmenden Spitzen-Weingüter im Angebot zu haben. Dazu gehören unter anderem: Battenfeld-Spanier, Dr. Bürklin-Wolf, Knipser, Kühling-Gillot oder Taittinger.

Janine Preis

Als Tochter einer Winzerfamilie und ehemalige Weinmajestät begleitet mich der Wein bereits mein ganzes Leben lang. Dabei handelt es sich um ein Produkt, das es immer wieder neu zu entdecken gilt. Trotz der unglaublichen Vielfalt behält jeder Wein seine ganz individuelle Einzigartigkeit – das fasziniert mich stets aufs Neue und diese Freude möchte ich gerne mit anderen Menschen teilen.

Eine Antwort zu diesem Artikel

  1. „Weniger ist mehr“ | Vicampo Weinmagazin

    […] Vortag der Weinfachmesse “Véritable” – über die Kollegin Janine hier schon berichtet hat – gab es in Neustadt an der Weinstraße noch einen besonderen Leckerbissen für […]

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