Weinflaschen mit VDP-Traubenadler

Grosse Gewächse

Die besten trockenen Weine Deutschlands

– Weine & Winzer

“Grosses Gewächs” (abgekürzt auch: GG) heißen seit 2002 die besten trockenen Weine aus deutschen Spitzenlagen. Die Bezeichnung – d.h. die Qualitätsstufe – ist Teil der vierstufigen Klassifikation des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), die dieser im Jahr 2012 verabschiedet hat; davor gab es bereits ein dreistufiges Qualitätssystem, dessen oberste Stufe ebenfalls die “Grossen Gewächse” bildeten.

Spitzenweine, Spitzenwinzer

Das Klassifikationsmodell des VDP
Das Klassifikationsmodell des VDP (Quelle: VDP)

Der VDP ist der Zusammenschluss der Spitzenwinzer in Deutschland. Die 1910 als “Verband Deutscher Naturweinversteigerer” gegründete Vereinigung zählt heute 200 Mitglieder, die strenge Qualitätsstandards erfüllen müssen. Sie sind beispielsweise verpflichtet, ihre Weinberge umweltschonend zu bewirtschaften, zu mindestens 80 Prozent gebietstypische Rebsorten anzubauen und den Ertrag auf maximal 75 Hektoliter pro Hektar (bzw. je nach Klassifikationsstufe noch weniger) zu begrenzen. Darüber hinaus müssen sie das VDP-Klassifikationsmodell umsetzen.

Dieses besteht aus den vier Stufen “VDP.Gutswein”, “VDP.Ortswein”, “VDP.Erste Lage” und “VDP.Grosse Lage”. Die trockenen Weine aus “Grossen Lagen” tragen die Bezeichnung “Grosses Gewächs”. Sowohl “Grosse Lage” als auch “Grosses Gewächs” werden dabei – abweichend von der offiziellen deutschen Rechtschreibung – mit Doppel-S geschrieben, um die Bezeichnung international leichter verwendbar zu machen, da das scharfe S als Sonderzeichen nicht vorkommt.

Höchste Klassifikationsstufe

Das Klassifikationsmodell des VDP ist angelehnt an das Vorbild der französischen Spitzenweinregionen und vereint – so der Verband – die “besten Teile der Bordeaux- und Burgund-Klassifizierungen”. Es folgt dem Grundsatz: “Je enger die Herkunft, desto höher die Weinqualität.” Die “VDP.Grossen Lagen” sind demnach “die hochwertigsten deutschen Weinberge”, wie der VDP definiert. “Hier reifen die besten Weine mit komplexem Geschmack, expressivem Lagencharakter und besonderem Reifepotenzial.” Diese Lagen werden vom Verband auf regionaler Ebene festgelegt und parzellengenau abgegrenzt.

Es gelten enge regionale Vorgaben für die Rebsorten, die für jede Lage zugelassen sind und die zum Terroir des jeweiligen Weinbergs passen sollen. Der Höchstertrag liegt bei 50 Hektolitern pro Hektar. Das Mostgewicht muss sich mindestens auf Spätlese-Niveau (76 bis 90 Grad Oechsle) bewegen, und die Trauben müssen selektiv von Hand gelesen werden. Die so genannten qualitätsorientierten Arbeit im Weinberg werden kontrolliert, und die Weine werden einer sensorischen Prüfung unterzogen. Auf dem Etikett erscheint als Herkunftsbezeichnung lediglich der Lagenname, und die “Grossen Gewächse” werden in einer speziellen Flasche mit dem GG-Trauben-Logo abgefüllt; daran erkennt man sie sofort. Die weißen Spitzenweine kommen nicht vor dem 1. September des auf die Ernte folgenden Jahres, die roten sogar nicht vor dem 1. September zwei Jahre nach der Ernte auf den Markt.

Jetzt mal konkret

Weinflaschen mit VDP-Traubenadler
Der so genannte Traubenadler ist das Erkennungszeichen der VDP-Weine (Foto: VDP / Ralf Kaiser)

Viel Formalkram – was bedeutet das alles nun praktisch? Wir halten fest: “Grosse Gewächse” sind immer trocken (haben also nach dem deutschen Weingesetz maximal neun Gramm Restzucker pro Liter), sie können weiß oder rot sein und bestehen immer nur aus einer Rebsorte (sind also nie Cuvées). Sie stammen aus genau abgegrenzten Weinbergen, die aufgrund ihrer klimatischen Bedingungen (Sonneneinstrahlung, Belüftung etc.) und ihrer Bodenbeschaffenheit besonders günstige Voraussetzungen für extraktreiche, charaktervolle und hochwertige Weine bieten. Durch verschiedene Maßnahmen wird die Qualität der Trauben und damit der Weine auf das höchstmögliche Niveau gebracht.

Mit einem “Grossen Gewächs” – erkennbar an der besonderen Flasche mit dem GG-Trauben-Logo – kann man sicher sein, einen der besten deutschen Weine vor sich zu haben. Ein solcher Wein bringt die Individualität der Lage, aus der er stammt, deutlich zum Ausdruck, ist mineralisch und dicht und kann viele Jahre reifen. “Grosse Gewächse” sollte man nicht zu früh trinken – der Genuss steigert sich im Laufe der Jahre noch. Aber auch in ihrer Jugend bescheren sie schon außerordentliches Trinkvergnügen!

Nach einer gastronomischen Ausbildung, die mich an den Wein heranführte, studierte ich zunächst Tourismusbetriebswirtschaft und war danach über 15 Jahre in den Bereichen Kommunikation, Weiterbildung und Veranstaltungsmanagement tätig. Parallel bildete ich mich nebenberuflich in Weinfachkunde und Sensorik fort und begann mit der professionellen Weinbeurteilung. Seit 2011 schreibe ich hauptberuflich über Wein und bringe nun meine Kompetenz und Erfahrung mit Freude bei Vicampo ein.

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