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Die wichtigsten Weinkritiker in Deutschland

Was sie sagen, was sie nicht sagen

– Tipps & Tricks

Dieser Artikel informiert über die gebräuchlichen Weinkritiker, dessen Punktebewertungen, Medaillen und Plaketten für Weine man überall liest oder sieht. Im Anschluss werde ich kurz disktutieren, was die Aussagen von Kritikern leisten, und was sie nicht leisten können.

Robert Parker

Robert M. Parker (geb. 1947) ist US-amerikanischer Weinkritiker und –autor und der wahrscheinlich einflussreichste Weinkritiker der Welt. Seine Nase soll für eine Million Dollar versichert sein. Die Weinbewertungen Parkers mit den numerischen Parker-Punkten sind international ein maßgeblicher Faktor zur Preisbildung auf dem Weinmarkt. Er benutzt ein 100-Punkte-System, wobei 100 Punkte die Höchstnote ist. Ab 90 Punkte gilt ein Wein als „Spitzenwein“. Kritiker von Robert Parker werfen ihm eine Vorliebe für fruchtige, dichte Rotweine vor, sodass bei der Bewertung Kriterien wie Eleganz und Vielschichtigkeit eine geringere Bedeutung zukommt.

Gault Millau

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Gault Millau bewertet wie Parker vor 5 Jahren – nur nach Konzentration. Doch Parker hat inzwischen eine Kehrtwende gemacht – hat denn das hierzulande keiner mitbekommen?

Der ‚Gault Millau WeinGuide Deutschland‘ erscheint einmal jährlich als Buch. Die Weine werden nach einem 100-Punkte-Schema bewertet (von 50 Punkte: schlecht, bis hin zu 100 Punkte: außerordentlich). Die Weingüter werden nach Anbauregionen gruppiert und mit 1-5 Trauben bewertet. Eine Traube bedeutet hierbei zuverlässige Standardqualität, fünf  Trauben erhalten die besten Erzeuger Deutschlands von Weltformat.

Blindproben (man weiß nicht, um welche Weine es sich handelt) sind nicht vorgesehen. Die Verkoster bekennen sich zu ihrer Subjektivität, jedoch finden sich unter ihnen einige der besten und erfahrensten Zungen Deutschlands.

Eichelmann

Der „Eichelmann: Deutschlands Weine“ – das unabhängige Standardwerk erscheint einmal jährlich als Buch. Die Weine sind ebenfalls nach dem 100-Punkte-Schema bewertet. Die Güteskala der Weingüter rangiert wie beim Gault Millau von eins bis fünf, wird aber abweichend davon in Sternen angegeben.

Anders als im Gault Millau werden fast alle Weine, auch Rotweine blind verkostet, d.h. man weiß nicht, um welche Weine es sich handelt. Es geht daher anders als beim Gault Millau, bei dem alle Weine auch immer im Kontext der älteren Jahrgänge gesehen werden, um eine ungetrübte Momentaufnahme des Weines.

Der Feinschmecker

Wein Gourmet – „Der Feinschmecker“ erscheint einmal jährlich als Buch. Die 900 besten Weingüter werden mit Adressen, Karten und Weintipps präsentiert. Die Weingüter sind nach Anbauregionen geordnet. Die Bewertung der Weingüter erfolgt in Form von F’s, von F bis FFFFF und korrespondiert mit den Trauben und Sternen anderer Weinführer. Anders als bei Gault Millau und Co. Werden einzelne Weine nicht mit Punkten bewertet. Der Gesamtüberblick über die Kollektionen der Weingüter mit allgemeinen Probiertipps steht im Vordergrund. Dadurch ist der Feinschmecker kompakter und kommt mit etwa einem Fünftel des Umfangs der anderen Weinführer aus.

Wein Plus

Wein Plus ist ein Internet-Portal. Die Verkostungsergebnisse werden ständig aktualisiert. Die  Güteskala der Weingüter wird wie bei Eichelmann in Sternen angegeben und rangiert von eins bis fünf. Die Bewertung der Weine erfolgt ebenso nach dem 100-Punkte-Schema. Dabei verkostet Wein-Plus am „strengsten“: Alle Weine werden ausschließlich im neutralen Verkostungsraum der Wein-Plus-Redaktion in Erlangen probiert. Jeder Wein wird blind verkostet und grundsätzlich in zusammenhängenden Serien gemeinsam mit ähnlichen Weinen. Ein Teil der Weine wird mindestens zweimal verkostet, so dass auch Außeneinflüsse auf den Wein berücksichtigt und in die Bewertung einbezogen werden.

Wird ein Wein verkostet, können die Ergebnisse am nächsten Tag bereits online eingesehen werden. Somit ist Wein Plus der Dienstleister für Fachhandel und Gastronomie, die am Puls der Zeit eine aktuelle Weinkarte oder Sortimentierung vornehmen wollen. Alle Kerninformationen können zudem jederzeit mobil vom Handy aus eingesehen werden.

Wine Spectator

Der Wine Spectator ist weltweit die auflagenstärkste amerikanische Weinfachzeitschrift und gilt einerseits als das „Who is who“ des Weines und gleichzeitig auch als Tippgeber, wo man exquisite Weine erstehen und trinken kann. Er bewertet Weine aus der ganzen Welt auf einer Skala mit 100 Punkten, wobei 100 Punkte wieder die Höchstpunktzahl darstellen.

Gambero Rosso (Italien)

Gambero Rosso ist eigentlich nur der Verlag, der jährlich den Weinführer „Vini d’Italia“ herausbringt. Die Weine werden von unabhängigen Fachleuten in Blindtests verkostet und bewertet. Im Gambero Rosso aufgeführte Weine gelten bereits als Weine von überdurchschnittlicher Qualität. Zur Qualitätskennzeichnung werden Weingläser vergeben, wobei die Höchstnote mit drei Weingläsern vergeben wird.

Guía Peñín (Spanien)

Der Guía Peñin, Spaniens bekanntester und bedeutendster Weinführer, ist das Werk des spanischen Weinkritikers José Peñin. Dieser ist seit 25 Jahren Weinkritiker und -schriftsteller. Für den Guía Peñin verkostet er zusammen mit seinem Team jedes Jahr Weine aus allen Weinanbauregionen Spaniens und bewertet diese nach dem durch Robert Parker bekannt gewordenen 100-Punkte-Schema. Das seit 1990 erscheinende Standardwerk ist längst die Referenz für die Beurteilung spanischer Weine auf internationalem Niveau. Der interessierte Weinliebhaber findet außerdem nützliche Informationen über Weinbau, Rebsorten & Co.

DLG Weinprämierung

Neben diesen renommierten Weinkritiker-Institutionen gibt es auch noch Weinprämierungen, wie z.B. die DLG Weinprämierung.

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ist eine Organisation der deutschen Agrar-und Ernährungswirtschaft. An der Weinprüfung können nur Weine teilnehmen, die zuvor schon bei der Amtlichen Prüfung und einer Gebietsprämierung erfolgreich waren. Je nach erreichter Punktzahl erhalten die Weine einen bronzenen, silbernen oder goldenen DLG-Preis.

LWP – Landesweinprämierung

Die Landesprämierung für Wein und Sekt ist eine Prämierung, die in mehreren Bundesländern durchgeführt wird. Mit ihr soll die Erzeugung qualitativ herausragender Qualitätsweine und Qualitätsschaumweine sowie deren Absatz gefördert werden. Es werden goldene, silberne und bronzene Kammerpreismünzen verliehen.

Aber Achtung: Wenn du einen sehr edlen Tropfen suchst, lasse dich nicht von einer DLG oder LWP Medaille täuschen. Bei der Prämierung wird beispielsweise ein Riesling von der Nahe mit allen anderen eingereichten Nahe-Rieslingen eines Jahrgangs verglichen. Jeder Wein, der so eine bestimmte Punktzahl erreicht, darf eine Bronze-, Silber- oder Goldmedaille tragen. Der Nachteil an den farbigen DLG- und Kammerpreismünzen ist also deren geringe Aussagekraft: Wenn nicht ein grober Weinfehler vorliegt, ist eine bronzene Münze nahezu unumgänglich, z.B. bei vielen belanglosen deutschen Chardonnays. So helfen die blinkenden Flaschenaufkleber mehr den Weingütern als den Konsumenten – sind sie doch reines Marketinginstrument und bieten so gut wie keine Orientierung für den Kunden. Ein guter Wein braucht keine Medaille.

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Der Friedhof der Kuschelweine

Mundus Vini

Diese Wein-Medaille wird in Großem Gold, Gold und Silber verliehen. Sie steht für die weltweit größte Blindverkostung nach den Regeln der Organisation Internationale de la Vigne et du Vin (OIV) in Paris, findet jährlich statt und ist von der EU als Qualitätsnachweis anerkannt. Weine mit dieser Medaille auf dem Etikett lassen daher gehobenen Genuss erwarten.

Falstaff Weinguide

Neu auf dem Markt, kann ich noch nichts zu sagen, Dirk Würtz hat jedoch hierzu einen tollen Artikel geschrieben.

Fazit

Wie unterschiedlich die Aussagen der gebräuchlichen Weinkritiker und Weinpublikationen sind, konnte ich selbst diesen Montag in der Jury zur Best Of Genossenschaften Challenge erleben. Die meisten Prüfer bewerten „nach Druck“. Das bedeutet, wenn ein Wein alles hat, was er seiner Rebsorte nach braucht, dann bekommen diejenigen Weine mehr Punkte, die alles haben, und am meisten Alarm am Gaumen machen, am meisten Substanz haben. Bewertet man aber nach dem 5 Punkte DLG Schema wie meine Kollegen in der Jury, sucht man nicht maximale Konzentration, sondern Gebietstypizität und Harmonie. Während ich in bester Gault Millau-Art allem zusprach, was neben akzeptabler Reintönigkeit am meisten „ballerte“, wählten meine Kollegen mit neutraler Miene nicht die vordergründigen Hurraweine, sondern die feinsinnigen, ausgewogensten Weine aus – die Kombination beider Verkosterstile machte am Ende ein tolles Best Of Genossenschaften Paket aus.

Die Jagd nach Weinen mit 90 Punkten oder mehr ist ein Unding: Ein 80 Punkte Wein kann sehr intensiv und befriedigend sein, gemäß dem Anlass. Wer trinkt schon Weine mit neutraler Erwartung in neutralen Verkostungsräumen wie Wein Plus? Wichtig ist der Erzeuger – gefällt dir sein Stil, gefallen dir in der Regel seine Weine. Anlassbezogen kann ein leichter Sommerwein auf der Terrasse 100 Punkte von dir bekommen. Dazu haben wir bei Vicampo unsere Traubenklassen eingeführt. Manche reagieren empfindlich auf Säure, Tannine, Restsüße. Es bleibt subjektiv. Am besten sind eigentlich die Weine, die von sehr unterschiedlichen Leuten mit unterschiedlichen Erwartungen und Vorbildung unabhängig voneinander als gut bewertet werden. Finde es selber für dich raus, am besten bei einer Weinprobe.

Richtig Sinn macht die Punkteskalierung meiner persönlichen Meinung nach witzigerweise im Bereich von 70-85 Punkten: Was kann man trinken, und was schmeckt gar nicht? Hat man hier gute Verkoster, die Weinfehler und mangelnde Harmonie gut erkennen, hat man die Kritiker wie im alten Rom als Vorkoster, die Gift von Genießbarem für einen unterscheiden. Ob ein Wein 87 oder 93 Punkte hat? 91 oder 98 Punkte? Ja mein Gott, hier wird es spirituell, hier wird es philosophisch, und nein liebe Gault Millau Verkoster, denen ich einmal beiwohnen durfte, Druck ist nicht das beste Kriterium, und so sonnenklar sich eure Gaumenausschläge für euch anfühlen mögen, sie sind Ergebnis einer jahrelangen Konditionierung. In eurem Mindsetting habt ihr fast objektiven Standard erreicht – innerhalb der Grenzen, die ihr euch selbst gesetzt habt!

Ich habe gute Leute erlebt, die ganz bewußt „Aggroweine“ gesucht haben, Weine, deren Säure ihnen vor den Kopf stieß, das fanden sie gut. Die Hingabe der Biodyn-Fans an oxidierte brauner Apfel Aromen und Stallgeruch ist bemerkenswert. Wie auch die Hingabe von Parker und Co. an genormte Weingeschmäcker, z.b. die Basisweine von Penfolds. Warum Harmonie? Warum nicht die Ecken und Kanten im Wein suchen, und neutrale Verkostungsbedingungen zur Hölle jagen. Wir sind subjektiv, und wenn wir zu unserem Innersten stehen, manchmal geradezu absonderlich und extrem. Und genauso ist es unser Geschmack, der sich situativ ergibt. Nutzen können uns Punkte, wenn wir sie als eine Art Genussversprechen verstehen, das dann eintritt, wenn der Wein auf die richtigen Menschen und das richtige Setting trifft. Nicht jeder Wein kann ein Galadinner würdig begleiten, und von daher können 95 Punkte für ein Riesling GG klar signalisieren: Wenn du alles richtig machst, wirst du mit diesem Wein eine wahre Epiphanie erleben. Wenn du dich von ihm in den Moment geleiten lässt, und seine Umstände Perfektion daraus zaubern – bevor die Unbeständigkeit der Welt ihn wieder hinfortwischt.

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Thommy Witteck

"In Berlin aufgewachsen und dort zunächst als Autor und Regisseur tätig merkte ich irgendwann, dass Wein meine Leidenschaft ist. So wagte ich den Weg in die Provinz: Nach dem Studium von Psychologie, Religionswissenschaften, Literatur und schließlich der Internationalen Weinwirtschaft in Geisenheim wohne ich mittlerweile bei Mainz. Seit nunmehr 10 Jahren vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht intensiv mit Wein beschäftige. Als Verkostungsleiter stehe ich für die lückenlose Qualität unserer Weinauswahl."

3 Antworten zu diesem Artikel

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  2. Rheinhessen | Vicampo Weinmagazin

    […] Mit Keller, Wittmann, Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot kommen inzwischen einige der besten Erzeuger aus dem an Diversität kaum zu übertreffenden Rebenmeer. Hier gibt es nichts, was es nichts gibt. Flaschenvergorene Sekte, die den Champagnern das Fürchten lehren, Super-Rotweine, aber ebenso Kellerei-Schrott, und wegsterbende Schrottwinzer. Noch öfter gibt es allerdings viel zu entdecken – neue Terroirs siehe Knewitz und Bischel in Appenheim, und supergünstige Weine von überdurchschnittlicher Qualität. Eine Region, die an Dynamik kaum mehr zu übertreffen ist, und mit diesem säurearmen, komplett durchgegorenen und immer überbordend reifen Weißweinstil, vor allem beim Riesling, die Latte hochhängt! Soviel zu Rheinhessen, meiner absoluten Lieblingsregion in Deutschland aus offentsichtlichen Gründen. Wenn du mehr über die einflussreichsten Weinführer in Deutschland erfahren willst, klicke hier. […]

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  3. Weingötter der Geschichte und heute | Vicampo Weinmagazin

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